G. Bosold
Götter und Sagengestalten der griechischen Mythologie
sagen.bosold.de
Eurytos, König von Oichalia bzw. Euböa, und sein Sohn Iphitos waren berühmte Bogenschützen.
Eurytos hatte seine schöne Tochter Iole dem versprochen, der
ihn und seine Söhne im Bogenschießen überwinden würde. Zu ihm kam
Herakles, nachdem er seine zwölfte Arbeit beendet hatte.
Eurytos hatte den jungen Herakles selbst im Bogenschießen
unterrichtet. Jetzt musste er sich im Bogenkampf seinem ehemaligen
Schüler geschlagen geben. Allerdings konnte sich Eurytos
angesichts des Schicksals von Herakles' erster Frau Megara nicht dazu
entschließen, ihm die Tochter zu geben. Darauf verließ Herakles
gekränkt den König.
Als König Eurytos von Räubern Rinder gestohlen wurden, kam Herakles
bei Eurytos in Verdacht, das wegen des Versagens der Tochter aus
Rache getan zu haben. Eurytos' Sohn Iphitos, der eine hohe
Meinung von Herakles hatte und sein Freund geworden war, verteitigte
den Helden und machte sich erbötig, zusammen mit Herakles die
gestohlenen Rinder zu suchen.
Die Suche verlief ergebnislos. Jedoch stieß Herakles den Freund in
einem neuerlichen Wahnsinnsanfall von einer hohen Mauer.
Dafür straften die Götter Herakles mit schwerer Krankheit, worauf
er sich an das Orakel von Delphi wandte.
Die Pythia verweigerte aber den Spruch, worauf Herakles den Dreifuß
stahl und ein eigenes Heiligtum errichten wollte, was
Apollon herausforderte. Noch vor dem Kampf
schleuderte aber Zeus einen Donnerkeil zwischen die beiden.
Das wiederhergestellte Orakel gab Herakles den Spruch, er werde
gesund, wenn er einen dreijährigen Sklavendienst verrichte. Den
Kaufpreis für den Sklaven sollte der Vater des Umgebrachten
erhalten.
Diesem Spruch beugte sich Herakles. Herakles wurde in Asien an
die lydische Königin Omphale verkauft. Da
Eurytos den Kaufpreis nicht annahm (oder nicht annehmen konnte),
wurde das Geld den Kindern Iphitos' gegeben. ([GS] S. 117)
Herakles führte in altem Groll noch einen Feldzug gegen Eurytos'
Land und raubte die noch schöne Iole. Dabei fand Eurytos den Tod
([GS] S. 126).
Nach anderer Darstellung forderte Eurytos vermessenerweise Apollon
zum Bogenzweikampf heraus, wobei Apollon ihn erschoß. ([HO] 8/27)
Sterbend (nach ersterer Darstellung schon vorher) übergab Eurytos
seinen Bogen dem Sohn. Iphitos überließ den wertvollen Bogen
Odysseus, wofür dieser ihm sein Schwert und
seine Lanze schenkte.
Beide waren danach in Freundschaft verbunden. Odysseus benutzte den
früher von Eurytos geführten Bogen nur in Ithaka und nahm ihn nicht
auf Kriegszüge mit ([HO] 21/31 ff.). Bei seiner Rückkehr erschoß er
mit dem berühmten Bogen die Freier ([LA] S. 258).